Wenn der Herbst sein Ziel verfehlt

Der Herbst ist normalerweise die heilsamste, gnädigste Jahreszeit. Alle Wehwechen aus dem Sommer finden ihren Platz, und alles, was aufgescheuert und aufgedunsen aus der Hitze zurückbleibt, klingt ab, heilt ab, findet Frieden. Aber nicht im letzten Herbst, als das Herz Hochwasser hatte. Ein Rückblick.

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Dunkle Herbstlandschaft bei Sonnenuntergang mit Baum und Spiegelung im Wasser

Herbst ist normalerweise DIE Jahreszeit. Es ist kuschlig – nicht nur wegen einem Feuerchen, Decken, Kuschelsocken und warmem Tee. Sondern wegen heißen Körpern, die sich festhalten in dieser dunklen Jahreszeit. Die sich sehen und die Herzen wärmen. 

Im Herbst müssen wir nie über Regenbögen diskutieren – der Herbst IST bunt. Er ist zum Ankommen gedacht, zum Bleiben. Wo der Sommer meine Wunden belächelt und die Sonne meine Tränen nie ernst nimmt, da ist der Herbst die Zeit zum Heilen. 

Aber nicht dieses Jahr. Dieser Herbst ist traurig, dunkel und einsam. Eine Herausforderung, weil ich alleine bin – unter meiner Decke, am Feuerchen, im Bett, beim Atmen. Und weil ich kämpfe – mit mir, gegen mich – und leide, im Stillen. 

Wie viele Gefühle kann ein Herz, ein ganzer Brustkorb, kanalisieren, bis er platzt? Angst, Hoffnung, Verzweiflung, Ärger – all das gleichzeitig in einem Körper. Es sollte verboten werden, so viel fühlen zu können, so viele Anteile von sich selbst parallel ertragen zu müssen. Und gleichzeitig die Welt anzulächeln, den Tag, das eigene aufgedunsene Gesicht im Spiegel. Manchmal ist schon das absolute Minimum deutlich zu viel verlangt. 

Ich sitze viel zu viele Stunden neben einem Mann und habe Gefühle für ihn, die ich nicht haben möchte. Und nicht so, wie du jetzt denkst. Was ich will: Gleichgültigkeit. Was ich habe: Kränkung. Ist es nicht demütigend, wenn das eigene Umfeld nicht tut, was man möchte – und obendrein die eigenen Gefühle nicht gehorchen? Unter dem Strich: Niemand tut, was ich gerade möchte. Und schlimmer noch: Mein Umfeld kümmert es nicht, mich dafür umso mehr. 

Das erste Mal in meinem Leben habe ich etwas in jemandem gesehen, dass es nicht wirklich gab. Ich habe ein Schimmern gesehen, wo es nur dumpfen Hall gab, ein Leuchten, wo jede Resonanz erstickt. Und ich habe angefangen zu glauben, dass ich dieses Leuchten zu einem Feuer entfachen kann. Ich dachte, wenn ich nur meine Flamme ganz nah bringe, es wärme, es nähre, dann kann es nur eine Frage der Zeit sein, bis es lichterloh brennt. Und was dann passiert ist, das ist das eigentliche Desaster weil ich so viel Potential gesehen habe in einem Menschen, der einem Stein gleicht. Der sich nur bewegt, wenn man ihn hochhebt und an einem anderen Fleck ablegt.  

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