Blog in 2026: Warum sie noch genauso erfolgreich sein können wie im Jahr 2000
Vor Kurzem habe ich gelesen, dass Blogs keine Zukunft mehr haben. Ehrlich gesagt hat mich das im ersten Moment ziemlich verunsichert. Je länger ich darüber nachgedacht habe, desto mehr hatte ich allerdings das Gefühl, dass wir vielleicht über die falsche Sache diskutieren.
Lesezeit: 4 Minuten

Inhaltsverzeichnis
Ich habe kürzlich gelesen, dass Blogs out sind. Tot, juckt keinen mehr. Die KI ist da, die Suchmaschinen wurden revolutioniert und im Internet sind sowieso nur noch Bots unterwegs. Dazu gibt es Auswertungen und Statistiken, die zeigen, wie die Performance eingebrochen ist. Unterm Strich ging es in den letzten fünf Jahren im Geiersturzflug bergab und heute fragt man eben die KI.
Ich bin ehrlich: Im ersten Moment hat mich das verunsichert. Ich habe in meinen Blog viel Liebe, Zeit und Geld investiert und plane ganz sicher nicht, nun alle Zelte abzubrechen. Ich habe Lust auf das Projekt. Auf einmal zu hören, dass es angeblich zum Scheitern verurteilt ist, weil ich late to the party bin, ist nicht besonders erquicklich. Aber irgendwie auch ein Running Gag. Ist man Teil meiner Generation, kennt man dieses Gefühl mittlerweile ganz gut. Rente? Schwierig. Wohnraum? Schwierig. Überall fehlt Geld. Einfach mieses Timing. Offenbar jetzt sogar beim Bloggen.
1. Warum viele glauben, dass Blogs heute nicht mehr funktionieren
Liest man die Begründungen solcher Artikel, heißt es meistens, dass Blogs früher vor allem deshalb funktioniert hätten, weil sie konsequent für Suchmaschinen optimiert wurden. Da wurden Keywords eingebaut, bis Google kleine Freudensprünge gemacht hat und die Artikel ganz oben ausgespielt wurden. Besuchende kamen über die Suche auf die Seite und mit der Zeit ließ sich daraus offenbar ein ziemlich erfolgreiches Geschäftsmodell entwickeln.
Dann kam die KI. So lautet zumindest die Erzählung. Heute kann sie viele dieser Informationen direkt zusammenfassen und bereits in der Suche beantworten. Wenn das stimmt, stellt sich tatsächlich die Frage, warum jemand überhaupt noch auf den eigentlichen Blog klicken sollte.
Soweit die Theorie. Und genau hier beginnen meine Fragen.
Gehen wir doch mal einen Schritt zurück und schauen uns erstmal an, was ein Blog überhaupt ist. Laut der Wikipedia Definition* das hier:
Ein Blog [] (ursprünglich das, heute auch der) oder auch Weblog [] (Wortkreuzung aus englischWeb und Log für „Logbuch“ oder „Tagebuch“) ist ein meist auf einer Website geführtes und damit meist öffentlich einsehbares Tagebuch oder Journal, in dem mindestens eine Person, der Blogger, international auch Weblogger genannt, Aufzeichnungen führt, Sachverhalte protokolliert („postet“) oder Gedanken niederschreibt. Die Tätigkeit des Schreibens in einem Blog wird als Bloggen bezeichnet.
Wenn ich mir das durchlese, klingt das für mich ganz und gar nicht nach künstlicher Optimierung für Suchmaschinen, damit möglichst viele Menschen auf die Seite stoßen. Das klingt für mich, als ob das eine Geschäftsidee gewesen wäre und kein Blog. Ein Blog ist doch etwas Persönliches, wo eine Person aus Spaß an der Freude online Themen beackert. Und zwar nicht für Reichweite, sondern aus Leidenschaft. Verbessert mich gerne, wenn ich das falsch verstehe.
Aus dieser Perspektive müssten wir nun also nochmal darüber sprechen, ob tatsächlich Blogs an Reichweite verloren haben oder schlicht Geschäftskonzzepte. Und auch hier muss man doch ehrlich sein. Wenn ich für Suchmaschinen schreibe, muss einem doch völlig klar sein, dass das ein Modell ist, das nicht ewig funktionieren wird. Denn Content ist doch am Schluss für Menschen. Von Menschen für Menschen.
2. Muss eigentlich jedes Hobby erfolgreich sein?
Und da kommen wir gleich zum nächsten Punkt. Muss denn immer alles erfolgreich sein? Kann man denn nicht einmal etwas machen, einfach nur weil man dafür brennt? Ich weiß gar nicht, wann das abhandengekommen ist. Ich höre immer wieder, dass Leute mit Social Media starten, weil sie jetzt Influencer werden wollen und berühmt. Oder reich. Oder am besten alles beides.
Dabei muss uns allen doch klar sein, dass nicht jeder berühmt werden und Influencer sein kann. Wir sind alle schon so mit Reizen tagtäglich überflutet. Stellen wir uns nur vor, jeder Mensch auf Erden würde Inhalte produzieren und am Kampf um Aufmerksamkeit teilnehmen. Ich glaube, ich würde direkt in eine einsame Höhle ziehen wollen, der Krach und das Durcheinander wären ja nicht auszuhalten.
3. Warum Erfolg nicht der Maßstab sein sollte
Hinter all dem steht aus meiner Sicht ein Leistungsgedanke, der sich mit einer Selbstverständlichkeit in jede Diskussion setzt wie ein ungebetener Gast. Ich habe manchmal den Eindruck, dass mittlerweile vorausgesetzt wird, dass alles zu Geld und Ruhm gemacht werden muss. Weil es sonst offenbar nichts wert ist.
Ich glaube, da liegt das Problem schon auf der Hand: Ich glaube, wenn ich ein Projekt starte und nur daran denke, was für mich dabei rausspringen könnte, fehlt von Anfang an das, worauf es eigentlich ankommt. Am Anfang von jeder Idee muss Herzblut stehen, Leidenschaft, eine Vision. Und daraus entsteht das Potenzial, dass es richtig gut wird. Weil es authentisch ist und ehrlich.
Nur meine 5 Cents zum Thema. Kann am Ende jeder für sich beantworten – und wenn ich die einschlägige Berichterstattung lese, dann haben das offenbar einige auch schon getan.
4. Warum ich glaube, dass Blogs auch 2026 funktionieren können
Ich würde nochmal an den Anfang zurückspulen und fragen, wie viele Personen wohl 2002 auf einem Blog waren, weil sie die oder den Autor:in so gerne mochten. Sich auf neue Texte gefreut haben oder Rezepte oder Bilder oder was auch immer.
Und wie sah dieser Prozentsatz wohl aus im Vergleich zu all jenen, die irgendeine Frage hatten und über Umwege auf der Website gelandet sind?
Steile These: Ich glaube, die Fangemeinde wird wohl kleiner gewesen sein als die Zufallstreffer, die nur da waren, weil zum Beispiel hier das Rezept für Ofengemüse leicht zu finden war und sonst keine Verbindung zwischen Content-Produzent:innen und Lesenden bestand.
Mal angenommen, diese These stimmt. Dann möchte ich behaupten, dass sich am Erfolg von Blogs nichts verändert hat. Leute, die deine Inhalte mögen, sie finden und bleiben, sind doch der größte Lohn. Ein größerer als eine Geschäftsidee, die nur für die Suchmaschine optimiert, um damit Geld zu verdienen.
Das zumindest ist meine Meinung.
*unwissenschaftlich zitiert, I know.
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